Mediation wird auch als die moderne Form der Konfliktlösung bezeichnet. Das Verfahren zielt darauf ab, dass aus den anfänglichen Gegnern Vertragspartner werden.
Der Ablauf besteht deshalb aus mehreren Phasen. Zunächst wird vereinbart, was zu klären ist und wie die "Spielregeln" aussehen. Nun tragen die Konfliktgegner vor, was sie wirklich wollen. Sodann wird daran gearbeitet, wie möglichst viele Interessen durchgesetzt werden können ohne anderen über Gebühr Nahteile zuzumuten.
Schließlich werden die gemeinsam erarbeiteten Lösungen schriftlich und damit verbindlich festgehalten. Wenn es gewünscht wird, können später ein oder mehrere Termine zu Verifizierung der Ergebnisse folgen.
Mediationsergebnisse weisen gegenüber anderen Möglichkeiten von Konfliktlösungen folgende oft genannte Vorteile auf: Gegenüber einem Richterspruch finden sich die Parteien leichter in den Ergebnissen wieder. Oftmals sind die Kosten niedriger als bei einem Gerichtsverfahren. Und meistens führen die Lösungen aufgrund der höheren Akzeptanz und des besseren Verstehens der Gegenposition zu einer nachhaltigen Befriedung.
Unter diese Überschrift fallen Mediationen
Zu a) Innerhalb von Unternehmen:
Anwendungsbereiche sind Probleme zwischen Mitarbeitern, Teams gleicher oder unterschiedlicher Hierarchiestufen, Probleme zwischen Abteilungen. Oft können hier externe Medianten unbelasteter tätig werden als Mediatoren, die auf der Gehaltsliste dieses Unternehmens stehen (Unabhängigkeit!).
Konflikte entstehen insbesondere durch:
Zu b) Zwischen mehreren Unternehmen:
Klar: Ist der Kunde nicht zufrieden, wechselt er den Lieferanten. Doch Praktiker wissen: Das ist nicht in jedem Fall so einfach. Technische oder wirtschaftliche Abhängigkeiten bestehen. Teilweise beliefern und beziehen die Unternehmen gegenseitig Güter und Dienstleistungen voneinander. Somit kann es für beide Vertragsseiten vorteilhaft sein, entstandene Konflikte zu beseitigen.
Zu c) Zwischen Unternehmen und Behörden:
Eigentlich sollte der öffentliche Dienst die privatwirtschaftlichen Abläufe unterstützen und fördern. Allerdings ist die öffentliche Verwaltung an Vorgaben gebunden. Letzlich gilt: Beim Auslegen der Vorgaben gibt es "Ermessensspielräume".
Somit kann es sinnvoll sein, auch bei derartigen Konfliktsituationen das Mediationsverfahren als Lösungsstrategie zu wählen.
Häufiger Anwendungsbereich des Mediationsverfahrens ist die Suche nach kooperativen Lösungen für Scheidungsfolgeregelungen: Wer bekommt die Kinder? Zu welchen Zeiten bekommt der andere Elternteil Umgangsrecht? Wie werden die materiellen Dinge der Ehe aufgeteilt?
Ebenfalls werden Familienmediationen auch bei einer fortdauernden Ehe – gerade mit dem Ziel der Eheerhaltung durchgeführt. Hier geht es darum, Konflikte möglichst gründlich aufzulösen.
Bitte sprechen Sie mich an, wenn Sie überlegen, sich auf eine Familienmediation einlassen zu wollen.
Die "Waldschlösschen-Brücke" ist in Dresden für so ziemlich alles gut. Ich nehme diesen Fall als Beispiel:
Zu Beginn des Jahres 2007 erfolgte eine öffentliche Mediation. Ein Mediant war die Stadt mit ihrem Bürgerentscheid, der andere Mediant war die Vertretung des Welterbes. Gut, es waren jeweils eine Reihe von Personen zur Vertretung berufen und dann eine Mediatorin. Diese Mediation erfolgte aufgrund eines Gerichtsbeschlusses. Insoweit war die den Mediatoren so wichtige "Freiwilligkeit" nicht gegeben. Vielleicht waren auch die Positionen einfach nicht verhandelbar. Jedenfalls konnte keine Mediationsvereinbarung geschlossen werden.
Meine Ausbildung befähigt mich, auch derartige öffentliche Mediationen durchzuführen.
Gleich vorweg: Diese sehr häufige Mediationsgruppe begleite ich nicht. Die Konstellation, dass sich Täter eine juristisch bessere Position verschaffen können, halte ich unter dem Aspekt der "Freiwilligkeit" für problematisch.
Die von mir bevorzugten theoretischen Konzepte stehen für mich (derzeit) nicht im Einklang mit dem Täter-Opfer-Ausgleich.
Selbstverständlich empfehle ich gerne eine(n) Mediator(in) für diesen Bereich.
Zwei Jungen streiten sich um einen Kürbis. Der Streit ist heftig. Bald besteht sogar Sorge um die Gesundheit der Kinder. Wie löst unsere auf "Gerechtigkeit" getrimmte Gesellschaft üblicherweise diesen Konflikt? Entweder durch ein Verbot "Hört sofort auf, euch zu streiten" oder durch eine Anordnung "Jeder bekommt einen halben Kürbis und basta".
Aber ist der Konflikt um den Kürbis damit gelöst? Vielleicht ist "der Kürbis" nur stellvertretend für einen anderen Konflikt? Wissen wir das, ohne nach den Interessen der Kinder zu fragen? Warum wollten beide DIESEN Kürbis?
Durch Befragen stellt sich heraus: Ein Kind will den Kürbis für Halloween, ein halber Kürbis nützt ihm nichts. Im Übrigen mag es überhaupt keinen Kürbis essen. Das andere Kind findet Halloween absolut doof. Aber Kürbis ist seine Lieblingsspeise. Als Mediationsvereinbarung wird also festgelegt: Jeder bekommt vom Kürbis, was er wirklich braucht.
Der Mediator gestaltet das Verfahren, die Medianten legen die Themen fest, stellen ihre Interessen dar, entwickeln gemeinsame Lösungsalternativen, handeln die Lösung aus. Ein Mediationsverfahren ist oft kostengünstiger als ein Gerichtsverfahren (Gerichtskosten, Anwaltshonorare usw.), aber es ist auch anspruchsvoller: Man delegiert die Entscheidungsfindung nicht, sondern erarbeitet diese gemeinsam.
Durch das gegenseitige Verständnis wird die Lösung für alle facettenreicher als bei einer Entweder-oder-Entscheidung. Oft ergeben sich am Ende Lösungen, die zu Beginn nicht bekannt waren. In der Regel halten die Mediationsvereinbarungen.
Zur Absicherung und letztendlichen Feinabstimmung gibt es auch Mediationen, die nach einer gewissen Zeit im Rahmen einer Nachschau fortgesetzt werden. So können die Medianten vortragen, ob aus ihrer jeweiligen Sicht die Mediationsvereinbarung wie gewünscht umgesetzt worden ist und zu welchen Punkten noch Klärungsbedarf besteht.